„Wir haben damals begonnen, unseren Planeten zu verschmutzen. Aber zu diesem Zeitpunkt war uns gar nicht bewusst, welche Folgen das einmal haben würde. Und jetzt stehen wir vor den Scherben und müssen überlegen, wie wir damit umgehen.“

So ungefähr formulierte es eine ältere Person bei einem Generationendialog, den ich im Rahmen der Langen Nacht der Philosophie moderiert habe. Diese Aussage ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Sie hat im Dialog unglaublich viel aufgemacht. Plötzlich war Platz, um über Verantwortung, unterschiedliche Erfahrungen und den gemeinsamen Umgang mit Herausforderungen zu sprechen, die über Generationen hinweg entstanden sind.

An diesem Abend wollten wir darüber sprechen, wie wir langfristig gut und zukunftsfähig miteinander arbeiten können. Uns war wichtig, dass möglichst viele Generationen zu Wort kommen. Gleichzeitig wollten wir ein Gespräch ermöglichen, bei dem die Menschen tatsächlich aufeinander eingehen können. Und wir wollten vermeiden, dass einige wenige vorne sitzen und die anderen nur zuhören.

Deshalb haben wir uns für eine Fishbowl entschieden: Im Innenkreis standen Stühle für unterschiedliche Altersgruppen bereit: für Menschen unter 20, zwischen 20 und 30, zwischen 31 und 40 und so weiter bis zu den über 65-Jährigen. Rundherum saßen die weiteren Teilnehmer:innen. Jede Altersgruppe hatte damit von Anfang an einen Platz im Gespräch. Gleichzeitig konnten Menschen aus dem Außenkreis jederzeit einwechseln und ihre Perspektive ergänzen.

So entstand ein Dialog, an dem viele Menschen beteiligt waren, während im Innenkreis jeweils eine kleinere Gruppe miteinander sprach.

Welchen Beteiligungsraum schafft eine Fishbowl?

Eine Fishbowl ist ein Dialogformat für größere Gruppen. Im Mittelpunkt steht ein Innenkreis mit einer überschaubaren Anzahl an Gesprächsteilnehmer:innen, häufig etwa fünf bis zehn Personen. Die übrigen Menschen sitzen im Außenkreis und hören zu. Durch das Einwechseln können sie selbst Teil des Gesprächs werden.

Die Idee dahinter ist einfach: Wenn eine größere Gruppe gemeinsam über eine Frage sprechen möchte, ist ein unmittelbarer Dialog mit allen gleichzeitig kaum möglich. Zu viele Menschen wollen etwas sagen, Gedanken gehen verloren und häufig kommen vor allem jene zu Wort, die schnell reagieren oder gerne vor großen Gruppen sprechen.

Die Fishbowl schafft dafür eine Struktur. Im Innenkreis können Menschen aufeinander eingehen, nachfragen, widersprechen und Gedanken weiterentwickeln. Der Außenkreis hört dasselbe Gespräch und kann sich dadurch ebenfalls mit den unterschiedlichen Perspektiven auseinandersetzen.

Was ich an der Fishbowl besonders mag: Der ganze Raum kann sich an einem gemeinsamen Gespräch beteiligen. Manche Menschen sprechen gerade im Innenkreis, andere hören zu und können jederzeit einwechseln. Auch das Zuhören ist dabei ein wesentlicher Teil der Beteiligung. Wer gerade nicht spricht, kann andere Perspektiven aufnehmen und die eigene Sichtweise überprüfen.

Einwechseln: Der Innenkreis bleibt offen

Die Fishbowl ist für mich eine wunderbare Alternative zur klassischen Podiumsdiskussion. Auch hier gibt es eine Gesprächsgruppe, der viele Menschen zuhören. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass die Plätze im Innenkreis nicht dauerhaft vergeben sind. Menschen aus dem Außenkreis können einwechseln und selbst Teil des Gesprächs werden.

Wichtig ist dabei auch die räumliche Gestaltung. Die Stühle stehen nicht auf einer Bühne, sondern tatsächlich in der Mitte des Raumes. Rundherum sitzen die weiteren Teilnehmer:innen im Außenkreis. So entsteht ein gemeinsamer Gesprächsraum, in dem die Menschen einander zugewandt sind.

Das Umstellen der Stühle mache ich übrigens häufig gemeinsam mit den Teilnehmer:innen. Wenn alle kurz mithelfen, ist der Raum in zehn Minuten umgestaltet und das Veranstaltungsteam muss dafür keine zusätzlichen Ressourcen einplanen.

Gegenüberstellung einer Podiumsdiskussion mit Sprecher:innen auf einer Bühne und einer Fishbowl mit Gesprächsteilnehmer:innen im Innenkreis und Publikum im Außenkreis.

Damit Menschen aus dem Außenkreis tatsächlich Teil des Gesprächs werden können, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten des Einwechselns.

Bei unserem Generationendialog konnten grundsätzlich alle Plätze im Innenkreis gewechselt werden. Wer etwas sagen wollte, stellte sich hinter den Stuhl der eigenen Altersgruppe. Damit signalisierte die Person: Ich möchte mich am Gespräch beteiligen. Die Person auf dem Stuhl konnte ihren Gedanken fertig aussprechen, stand anschließend auf und machte Platz. Bei unserem Generationendialog wurde diese Möglichkeit intensiv genutzt. So blieben die Altersgruppen vertreten, während immer wieder neue Stimmen dazukamen.

Allerdings kann diese Form des Wechselns auch eine Hemmschwelle erzeugen. Nicht jede Person fühlt sich wohl dabei, hinter jemandem zu stehen und damit zu signalisieren, dass sie dessen Platz übernehmen möchte. Es kann sich ein bisschen so anfühlen, als würde man jemanden vertreiben.

Eine andere Möglichkeit ist deshalb, von Anfang an ein bis drei Stühle im Innenkreis freizulassen. Wer etwas beitragen möchte, setzt sich auf einen dieser Stühle, beteiligt sich am Gespräch und verlässt den Innenkreis anschließend wieder. Damit wird der Platz für die nächste Person frei.

Welche Variante ich wähle, hängt von der Gruppe und vom Ziel des Dialogs ab. Entscheidend ist, dass der Wechsel verständlich ist und Menschen tatsächlich ermutigt, sich einzubringen.

Auch der Außenkreis braucht Raum zum Sprechen

Bei unserem Generationendialog hatten wir insgesamt drei Stunden Zeit. Das ist lange, wenn ein großer Teil der Menschen hauptsächlich zuhört.

So interessant ein Gespräch auch sein kann: Irgendwann möchte man die eigenen Gedanken aussprechen, etwas mit anderen teilen oder eine Aussage gemeinsam weiterdenken. Und nach längerer Zeit lässt auch die Aufmerksamkeit nach.

Deshalb habe ich die Fishbowl zweimal bewusst unterbrochen. Die Menschen im Innenkreis drehten sich nach außen und bildeten gemeinsam mit den Teilnehmer:innen im Außenkreis kleine Gesprächsgruppen von drei bis vier Personen. Dort wurde jeweils eine konkrete Frage aufgegriffen und weiterdiskutiert.

Für diese Sequenzen waren alle gleichzeitig im Gespräch. Die Menschen konnten das bisher Gehörte verarbeiten, ihre eigenen Gedanken aussprechen und andere Perspektiven in einem kleineren Rahmen kennenlernen. Anschließend kehrten sie mit neuer Aufmerksamkeit in den gemeinsamen Dialog zurück.

Wer sitzt zu Beginn im Innenkreis?

Die erste Besetzung des Innenkreises ist eine wichtige Gestaltungsentscheidung. Bei unserem Generationendialog haben wir die Plätze bewusst nach Altersgruppen vergeben. In anderen Situationen können beispielsweise unterschiedliche Abteilungen, Hierarchiestufen oder Funktionen innerhalb einer Organisation vertreten sein.

Eine bewusst gewählte erste Besetzung erleichtert außerdem den Einstieg. Für viele Menschen ist es eine große Hürde, wenn zu Beginn einfach gefragt wird: „Wer möchte sich in die Mitte setzen?“ Wenn die ersten Gesprächsteilnehmer:innenbereits feststehen, kann der Dialog beginnen und weitere Menschen können später einwechseln. Welche Personen ich dafür auswähle, hängt von der Fragestellung und dem Ziel des Dialogs ab.

Auch die Frage, ob der Innenkreis moderiert wird oder die Teilnehmer:innen das Gespräch selbstständig führen, gehört für mich zur Vorbereitung. Bei unserem Generationendialog habe ich im Innenkreis moderiert. Gerade wenn unterschiedliche Hierarchiestufen oder sehr verschiedene Gesprächsgewohnheiten aufeinandertreffen, kann eine Moderation helfen, dass möglichst viele Perspektiven Raum bekommen.

Beteiligung braucht ein Danach – aber nicht immer einen Maßnahmenplan

Bei unserem Generationendialog ging es darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, unterschiedliche Perspektiven auf zukunftsfähige Arbeit kennenzulernen und eigene Überzeugungen zu hinterfragen.

Da es sich um eine Community-Veranstaltung handelte, brauchten wir keinen gemeinsamen Maßnahmenplan. Viel wichtiger war ein guter Abschluss, bei dem die Teilnehmer:innen ihre persönlichen Erkenntnisse sammeln konnten. Deshalb endeten wir mit der Frage: Was nehme ich für mich heute mit?

In Organisationen kann das Danach ganz anders aussehen. Wie Erkenntnisse aus einem Beteiligungsprozess aufgegriffen und gemeinsam weiterbearbeitet werden können, beschreibe ich in meinem Artikel „World Café – Wenn gemeinsames Verständnis entstehen soll“.

Warum ich gerne mit Fishbowl arbeite

Was ich an der Fishbowl besonders mag, ist, dass sich die Rollen im Raum verändern. Bei einer klassischen Podiumsdiskussion sitzen meist die Wissenden auf der Bühne und die Lernenden brav in ihren Stuhlreihen. Die einen dürfen sprechen, die anderen hören zu.

In einer Fishbowl sitzen alle gemeinsam im Raum. Jede Person darf sich einbringen und selbst zum aktiven Teil des Gesprächs werden. Auch die Menschen im Außenkreis gestalten den Dialog mit, weil sie jederzeit entscheiden können, sich einzubringen.

Damit werden die üblichen Hierarchien zwischen Podium und Publikum aufgelöst. Und trotzdem bleibt die Gesprächsgruppe klein genug, damit Menschen tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen können.

Genau das mag ich an der Fishbowl: Alle können mitreden, und gleichzeitig bleibt ein echter Dialog möglich.

Bei eurer nächsten Veranstaltung soll nicht nur das Podium reden?
Eine Fishbowl bringt das Gespräch in die Mitte des Raumes. Ich überlege mit euch, wer zu Beginn im Innenkreis sitzt, wie das Einwechseln gut funktioniert, und moderiere den Dialog so, dass viele Perspektiven Platz bekommen. Ich bin Manuela Grundner, Moderatorin in Graz, und gestalte Dialogformate für Tagungen, Community-Veranstaltungen und Organisationen in ganz Österreich.

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